DIAGNOSING HOPE

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Diagnosing Hope 

 Is there a relationship between medical science and art?  Using their own means, both disciplines are suitable and willing to explore the anomalies of reality. Hennric Jokeit is a trained neuroscientist, and his photographic art focuses on aspects from both of these sources. He depicts views of urban architecture and natural settings changed by humans. His images are as precise as they are mysterious. Perception-irritating photographic negatives have been central to Jokeit’s work since he began his artistic career. The beholder may not recognize the images as negatives at once, yet the involuntary activation of contrast-reversing processes in the visual brain leads to new and more intense access to a „radiological atlas of unfulfilled promises.“ Jokeit’s diagnosis of a world that perhaps has become tired of itself may exhibit melancholy features, but his world is never without hope—a hope that is often located precisely in the gap between reality and wishful thinking, as Theodor W. Adorno states in his criticism of Nietzsche. The unique fascination that emanates from Jokeit’s world view has roots in this philosophically deepened understanding of hope: Laying our eyes on the negative is our only chance to think it. 

Ewa Hess, Zürich / New York, 2019

(Translation by David Hansen)

 

Diagnosing Hope 

Gibt es eine Verwandtschaft zwischen Medizin und Kunst?  Beide sind geeignet und gewillt, die Anomalien der Wirklichkeit mit ihren eigenen Mitteln zu vermessen. Hennric Jokeit ist von Hause aus Neurowissenschaftler, und seine fotografische Kunst speist sich aus beiden Quellen. Er schafft dabei Ansichten städtischer Architektur und von Menschen veränderter Natur, die so präzis wie auch geheimnisvoll wirken. Die das Sehen irritierende Negativform ist für Jokeits Schaffen seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit zentral. Dass diese Bilder Negative sind, erkennt der Zuschauer vielleicht nicht sofort. Dennoch bewirkt die unwillkürliche Aktivierung der Kontrast-Umkehrprozesse im visuellen Hirn einen neuen, intensiveren Zugang zu diesem “radiologischen Atlas unerfüllter Verheissungen”. Jokeits Diagnose der sich selbst überdrüssig gewordenen Welt mag durchaus melancholische Züge tragen, sie ist jedoch nie ohne Hoffnung. Einer Hoffnung, die oft gerade im Spalt zwischen der Wirklichkeit und dem Wunschdenken angesiedelt ist, wie es Adorno in seiner Kritik an Nietzsche festgestellt hat.  Die einzigartige Faszination, die von Jokeits Weltansichten ausgeht, hat mit diesem philosophisch vertieften Verständnis von Hoffnung zu tun: Das Negative zu erkennen, ist unsere einzige Chance, sie zu denken. 

Ewa Hess, Zürich / New York, 2019

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